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Wie kann man Zwickmühlen erfolgreich entkommen?

Wie kann man Zwickmühlen erfolgreich entkommen?

Wie kann man Zwickmühlen erfolgreich entkommen?

Schritt 1: Den Kontext wechseln oder verlassen

Die einfachste und zugleich gern übersehene Möglichkeit. Es gilt, realistisch zu prüfen: „Kann ich die Situation zeitweise oder ganz verlassen?“ Das kann am Anfang eine Auszeit (z. B. Sabbatical, Seminar, Weiterbildung, Zeit für sich) sein, in der ich eine neue, erweiternde Außenperspektive mit neuen Informationen gewinne.
Beispiel: Ulrike im obigen Beispiel könnte eine Woche an die Ostsee fahren und sich ein paar Fragen stellen. Zum Beispiel:
– Ist mein jetziger Arbeitgeber der wirklich einzig mögliche?
– Was hält mich in der Situation usw.?

Raus aus der Zwickmühle, um in der Außenansicht Klarheit zu bekommen, ist die Devise. Im Fall von Ulrike bedeutet das jetzt: Sie sucht sich einen weniger stressigen Arbeitsplatz.
Für die meisten Menschen ist es nicht so leicht, die bisherige Situation zu verlassen. Deshalb verbleiben viele in den Situationen, obwohl sie es nicht müssten. Frank Farelly, der Altmeister des Provokativen, benannte fürs unnötige Verbleiben in Situationen drei gute Gründe. Er nannte sie Faulheit, Feigheit und Fixation – was mich zum nächsten Punkt bringt.

Schritt 2: Erkennen der Doppelbindung

Eine Fixation bedeutet, automatisch an ein bestimmtes Verhaltensmuster gebunden zu sein. Ein einfaches Beispiel: Es knallt zu Silvester und du bekommst Angst. Eine solche Fixation kann schon sehr früh in der Kindheit gelernt worden sein. Solche alten Prägungen wirken unbewusst noch Jahrzehnte später.

Eine Doppelbindung ist eine persönliche Prägung (Fixation), in der wir gelernt haben, bestimmte emotionale Bedürfnisse mit bestimmtem Tun oder bestimmten Inhalten zu verbinden. Also wenn ich z. B. als Kind gelernt habe, mein Bedürfnis nach Liebe (Emotion) mit der Handlung des Naschens (Inhalt) zu verbinden. Solche Doppelbindungen sind ursächlich für Zwickmühlen. Sie sind die Struktur, die eine Zwickmühle scheinbar so fesselnd macht.

Für das Durchschauen einer solchen Doppelbindung braucht es quasi einen Blick von außen auf die Situation selbst. Am besten mit etwas Abstand.

Einerseits geht es bei dieser Außensicht um unverzichtbare, noch unerfüllte kindliche (emotionale) Bedürfnisse und andererseits um den erwachsenen Versuch, sie mit Inhalten zu füllen. Beides findet aber auf unterschiedlichen Ebenen statt. So kann es sein, dass ich, wie als Kind gelernt, als Erwachsener immer noch versuche, mein Bedürfnis nach Liebe (Emotion) mit dem Naschen von Schokolade (Inhalt) zu befriedigen, und mich darüber wundere, dass das nicht gelingt.

Für ein Erkennen der Doppelbindung braucht es ein Erkennen der beiden Ebenen von „Emotion“ und „Inhalt“ sowie ein Erkennen ihrer Verschiedenartigkeit. Quasi ein Begreifen, dass ich in der Küche nicht das Wohnzimmer tapezieren kann. Ich muss also die meist verschiedenartigen Ebenen der Zwickmühle erkennen und unterscheiden. Erst wenn klar wird, dass meine bisherigen Lösungsversuche auf falschen Annahmen beruhten, kann ich Neues ausprobieren.
Beispiel: Wenn ich innerhalb einer Partnerschaft z. B. davon ausgehe, dass nur mein jetziger Partner meine Bedürfnisse erfüllen kann, dann wird es eng. Die mögliche Doppelbindung hier: Das emotionale Bedürfnis nach Liebe wird an einen bestimmten Inhalt, z. B. Versorgung, des einen Partners geknüpft. Wenn ich mir jedoch vergegenwärtige, dass diese Partnerschaft nur eine Möglichkeit ist und das da draußen in der Welt noch Millionen andere sind, die vielleicht meine Bedürfnisse (anders/besser) erfüllen und es auch noch andere Wege und Möglichkeiten gäbe, dann entsteht mehr Freiheit. Übrigens auch dafür, ggf. entspannter in der bisherigen Partnerschaft zu bleiben.

Schritt 3: Die Beziehungsstruktur (von innen nach außen) ändern

Wenn das Erkennen der Doppelbindung der theoretische Plan zum Handeln ist, dann ist das Verändern der Beziehungsstruktur die praktische Umsetzung. Im Beispiel Zuwendung: Ich habe erkannt, dass hinter meinem Naschen letztlich ein Bedürfnis nach Liebe steht, und nun probiere ich mich darin – in kleinen Schritten – Naschen und Schokolade z. B. durch Körperkontakt zu ersetzen. Ich nutze also die Erkenntnis aus der Doppelbindung (Schritt 2), um mein Bedürfnis nach Liebe mit dem passenderen Inhalt Körperkontakt in Beziehung zu setzen. Die neue praktizierte Beziehungsstruktur lautet: Ich erfülle mein Bedürfnis nach Liebe durch passenden Körperkontakt. Die alte Struktur und Zwickmühle (der Versuch, das Bedürfnis nach Liebe durch Naschen zu erfüllen) kann entfallen.

Diese Art von Beziehungsarbeit macht frei. Nicht nur von dem Gebundensein in Zwickmühlen. Es ist auch eine Bewusstseinsentwicklung, weil es ein wachsendes Selbstverständnis fördert. Wir erkennen, dass wir nicht nur aus analytischem Denken bestehen, sondern auch emotionale Wesen sind.

Extratipp: Was hilft zusätzlich, um sich von Zwickmühlen zu befreien?

Alles, was das Selbstbewusstsein, das Selbstwertgefühl steigert. Situationen, Menschen, Umstände, die mich stärken. Manchmal kann es auch hilfreich sein, die Komplexität von Situationen zu verringern (z. B. weniger machen, das Tempo verlangsamen, Kernwerte klären), um das Wesentliche deutlicher hervortreten zu lassen. Beispiele dafür: Ich reduziere meine Arbeitszeit, wenn ich, um Geld zu verdienen, in einem Job arbeite, der mir keine Freude mehr macht. Die freiwerdende Zeit verwende ich, um Alternativen zu suchen oder zu entwickeln. Oder z. B. beim Üben von Bewegungen verlangsame ich diese häufig, um ganz genau den Punkt zu finden, wo ich durch Anspannung einen natürlichen Fluss verhindere.

Alles, was hilft, sich zu sammeln, wieder Boden unter den Füßen zu kriegen, einen Überblick zu erlangen, was Kreisläufe verlangsamt oder unterbricht, kann eine positive Wirkung haben.

Was ist ein erster Schritt heraus aus der Zwickmühle?

Das bewusste Erkennen, dass man sich in einer Zwickmühle befindet, ist schon ziemlich anspruchsvoll. Die meisten meiner Coachingklienten wissen zwar um die unerwünschten Aus-und Nebenwirkungen in ihrem Alltag, erkennen aber nur selten die zugrundeliegende Dynamik einer Zwickmühle. Wenn Dich also dieser Beitrag vielleicht für Deine eigenen Zwickmühlen sensibilisieren kann, dann ist der wichtigste Schritt gemacht: Lösungsbewusstsein entsteht.

Darüber hinaus möchte ich zwei echte Profi-Ideen aus meiner persönlichen Praxis empfehlen:

Idee 1: Gesunden Zweifel nähren

Stelle Dir Fragen wie:

  • Ist das, wie ich es erlebe, wirklich so?
  • Ist das bei allen Menschen so? Wie erleben das andere?
  • Gibt es (bei mir/anderen) Ausnahmen (Zeiten, Orte, Umstände)?
  • Kann ich etwas identifizieren, was ich nicht (los)lassen kann/möchte? Wo ich genau wüsste, wenn ich das sein lassen könnte, dann würde die Zwickmühle keine mehr sein?

Idee 2:  Der Weg in die Zwickmühle führt auch wieder heraus 

Wenn Interaktionen mit anderen Menschen uns hineingebracht haben, dann können wir auch genauso wieder aus Zwickmühlen befreit werden.
Die praktische Umsetzungsfrage dazu lautet:
Welche Menschen (und welches Beziehungsverhalten) könnte genau das in mir stärken, was mich aus dieser Zwickmühle befreit?
Beispiel Zuwendung: Wenn ich wirklich statt „zu viel Schokolade naschen“ mehr Körperkontakt in mein Leben bringen will, dann braucht es dafür schlichtweg ein Gegenüber.
Nicht neu, aber immer noch enorm wirksam: Sich auf das auszurichten, was Du möchtest, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Du Menschen und Situationen findest, die das Gewünschte für Dich bereithalten.

Zum guten Ende: Sei im Erkennen von Zwickmühlen mit Dir und anderen wohlwollend. In Zwickmühlen zu stecken, ist nach meiner Erfahrung zutiefst menschlich. Ich z. B. habe in manchen Zwickmühlen Jahre verbracht. Manche Mühlen mahlen langsam, aber immer ist, was dabei herauskommt, wirklich wertvoller als vorher.

Brauchst Du hilfe bei deinen Lebensthemen als Coach stehe ich Dir gerne zur Seite…

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