Frühjahrsputz für die Seele „Loslassen“ – unbeschwert in ein neues leichtes Leben Von David Vosen


Bald steht er wieder vor der Tür: Der große Frühjahrsputz, bei dem Ballast und Dreck aus allen Ecken gekehrt wird, um Raum für frische Dinge zu schaffen. Doch nicht nur für unser Umfeld ist es eine Befreiung, Ballast loszuwerden, sondern auch für unsere Seele.

Beginnen sollte so ein innerer Frühjahrsputz immer mit einem Blick ins eigene Bewusstsein. Ganz oft sind wir falschen Programmen verhaftet, hängen Illusionen nach und können uns von Trugbildern nicht lösen, die uns immer wieder in Schwierigkeiten geraten lassen. Beim Loslassen entsteht eine Leere, die wertvoll ist, weil sie wieder neu gefüllt werden kann. Gleichzeitig erlauben wir, dass die Dinge wieder in eine richtige Perspektive zurückkehren. Wieder drängt sich ein Vergleich mit der eigenen Wohnung auf: Ziehen wir neu irgendwo ein, erscheinen uns unsere alten Möbel oft ganz verändert. Einfach nur deswegen, weil sie in einer anderen Anordnung in einem neuen Raum stehen. Es ist ein Gefühl von Macht, was wir haben, wenn wir eine leere Wohnung mit Inhalten füllen. Unsere Einschätzung entscheidet darüber, wie der Raum später wirkt, wie sich die Gegenstände zueinander befinden und welche Atmosphäre hier vorherrscht. Ähnlich ist es in unserer Seele. Loslassen kann sogar regelrecht heilsam sein.

Weg mit dem, was uns belastet


Viele Menschen sind sich gar nicht darüber bewusst, dass sie in der eigenen Vergangenheit verhaftet sind und dabei negative Emotionen regelrecht konserviert mit sich herumtragen. Jeder Schmerz, der hochkommt, bringt dann ein Muster zum Ausdruck, hinter dem unerledigte Gefühlsdinge oder unerfüllte Bedürfnisse aus früheren Zeiten eine Rolle spielen. Diese unterdrückten Belastungen verwandeln sich direkt in Stress. Die Emotion selbst wird so zu verlorener Energie, wir brauchen dann weitere Kräfte, um die ursprünglichen Emotionen weiter unterdrückt zu halten. Der erste und wohl wichtigste Schritt zum Loslassen dieser schädlichen Einflüsse ist das bewusste Hinsehen. Nur wenn wir unseren Blick auf die negativen Emotionen der Vergangenheit richten, wenn wir uns zum Hinschauen zwingen, können wir uns auf den Weg der Heilung begeben. Es gehört Mut dazu und man braucht Vertrauen. Doch das ist der Schlüssel zu einer Neugeburt.

Suche in den Tiefen des Unterbewusstseins


Wichtig bei diesem Prozess ist es auch, Kontakt mit dem eigenen Unterbewusstsein aufzunehmen. Bezogen auf die Speicherkapazität entfallen auf unser Unterbewusstsein 90 – 99%, auf das Bewusstsein dagegen nur 1 – 10%. Jedes Ereignis wird unbewusst gespeichert. Wer als Kind von einem Hund gebissen wurde, trägt sozusagen ein Foto dieser Begebenheit mit sich herum. Geraten wir in eine ähnliche Situation, wird sofort dieses gespeicherte Bild wieder abgerufen. Emotionen sind die Erinnerungen an die Vergangenheit. Betrachten wir einen Hund, kommt Panik auf. Nicht immer sind wir uns über die Ursachen bewusst. Um diese immer wieder automatisch ablaufenden Reaktionen zu stoppen, müssen wir die Erinnerungen ein letztes Mal ansehen, ganz klar mit Verstand und Bewusstsein bearbeiten, damit unser Unterbewusstsein sie endlich loslassen kann. Grundsätzlich ist es wichtig, zu erkennen, dass wir die Gegenwart durch diesen Filter unserer Vergangenheit betrachten. Jeder Mensch hat eigene Schwerpunkte von Dingen, die ihn immer wieder aufs Neue belasten. Ich habe eine Liste zusammengestellt mit den am häufigsten auftretenden negativen Schatten. Unterstreichen Sie einfach das, was für Sie zählt!

Krankheit als Mittel zum Zweck?


Ein wichtiger Faktor beim Ablegen alter Muster ist das Sich-Trennen von Schmerz. Ja, auch körperlicher Schmerz kann vom Unterbewusstsein kreiert werden. Wenn das Unterbewusstsein sich eine Pause verschaffen will, überlastet ist, lässt es uns krankwerden. Bei Kindern erkennt man oft Muster, die ein zeitliches Zusammentreffen von Erkrankungen und schwierigen Situationen zeigen. Die Eltern streiten, das Kind wird krank, und sofort verlagert sich die Aufmerksamkeit in seine Richtung. Außerdem ist Krankheit eine Entschuldigung. Fürchten wir, an einer Herausforderung zu scheitern, so können wir sie mithilfe einer Krankheit zumindest herauszögern. Im Grunde ist es daher bei jeder Erkrankung wichtig, zunächst nach Ursachen im Unterbewusstsein zu forschen.

Loslassen – jetzt sofort! Fangen Sie zuhause an…


Ernsthaftes Arbeiten am Loslassen unguter Emotionen und Erinnerungen ist ein längerer Prozess. Es wird Tage geben, an denen Sie die Dinge klarer sehen und Tage, an denen es schwerer fällt. Viele Menschen haben auch Probleme, überhaupt erst damit anzufangen. Richtet man den Blick nach innen, auf der Suche nach alten Blockaden und Schwierigkeiten, dann kann das wehtun. Einen ersten Anstoß und Motivationsschub kann es geben, wenn man tatsächlich mit einem klassischen Frühjahrs-Ausmisten anfängt. In der eigenen Wohnung Dinge wegzuwerfen oder zu verschenken, die man schon lange nicht mehr braucht. Am Ende sitzt man in einem klaren und reinen Raum. Einem Zimmer ohne Ballast. Dieses Umfeld kann die innere Einstellung zum Aufräumen im Unterbewusstsein fördern. Zum Ausmisten im Haus gibt es ein paar einfache Tipps:

- Termindruck schaffen: Wer jahrelang bewusst das Ausmisten vermieden hat, zu viele
vermeintliche Schätze angehäuft, für den ist der erste Schritt erfahrungsgemäß der Schwerste.
Machen Sie sich also selbst einen festen Termin und fixieren Sie diesen auch deutlich im
Terminkalender. Wenn Sie dann am Abend dieses Tages beispielsweise ein Essen mit einer Freundin
in Ihrem Lieblingsrestaurant planen, steht die Belohnung des Aufräumtages gleich mit dabei.

- Abschnittsweise vorgehen: Um nicht einen riesigen Berg vor sich zu haben, und sich
gleichzeitig selbst kleine, abgeschlossene Erfolgserlebnisse zu schaffen, ist es sinnvoll, die Wohnung
einzuteilen. Schrank für Schrank, oder Ecke für Ecke wird geräumt.

- Gewonnenen Freiraum putzen: Jeder Abschnitt, der von Gerümpel oder Nutzlosem befreit
wurde, sollte sofort geputzt werden. Umso mehr lädt er dann dazu ein, einer neuen Nutzung
zugeführt zu werden. Diesen Effekt unterstreicht man noch, indem man vor der Entrümpelung alle
Fenster putzt, so dass das Mehr an Sonne und Licht ebenfalls zum Aufräumen ermuntert.

- Erkenntnisgewinn für die eigene Psyche: Wenn Sie die Dinge unterteilen in Sachen zum
Wegwerfen, zum Verschenken, Verkaufen oder erst für eine bestimmte Frist im Keller zu lagern,
werden Ihnen auch Sachen unterkommen, von denen Sie sich nicht trennen wollen. Obwohl sie
schon lange nicht benutzt wurden. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst! Aber hinterfragen Sie,
warum Sie an diesem Gegenstand hängen: Sind Erinnerungen damit verbunden? Haben Sie lange
darauf hin gespart, aber erst nach dem Kauf bemerkt, dass Sie ihn nicht benötigen? Manchmal
können Sie erst nach intensivem Nachdenken Abschied nehmen, manchmal liefert Ihnen genau
dieses Nachdenken aber auch einen triftigen Grund, den Gegenstand zu behalten.

- Durch Entrümpeln mutig werden: Machen Sie sich beim Aufräumen klar, dass es oft einen
tief verankerten Grund hat, wenn wir an Dingen hängen. Dahinter steckt schlicht die Angst vor
etwas Neuem, Unbekannten. Man fürchtet sich, etwas Vertrautes loszulassen, weil man nicht
weiß, was man anschließend dafür bekommt. Und genau dann, wenn Sie bei diesen Überlegungen
angekommen sind, haben Sie den richtigen Einstieg zum Loslassen der inneren schädlichen
Muster: Wer heute Gegenstände loslassen kann, trennt sich morgen leichter von Menschen oder
Lebensumständen, die einem nicht guttun.

Was passiert mit einem Fesselballon, wenn man Sandsäcke herunterwirft? Er schwebt nach
oben! Genauso geht es auch uns, wenn wir uns von dem trennen, was eigentlich nur noch belastet.

David Vosen